ROUTE
Tagesgeld und Festgeld
Wohin mit dem Notgroschen: die 100.000-€-Sicherung, die Zinsjagd — und der Freistellungsauftrag, ohne den die Bank zu viel Steuer einbehält.
✓ Geprüft: 15.8.2026
Das Tagesgeld ist das Konto für den Notgroschen: verzinst, aber jeden Tag verfügbar. Es ersetzt weder das Girokonto noch das Depot — aufs Girokonto gehört das Geld für die laufenden Ausgaben, ins Depot das Geld für in zehn Jahren, und aufs Tagesgeld der Puffer für den Monat, in dem etwas schiefgeht. Die Faustregel sind drei bis sechs Monatsausgaben.
› Mehr über diese Route
Die Route hat zwei Schritte. Zuerst die Systemfrage: Tagesgeld oder Festgeld, wie weit die Einlagensicherung von 100 000 € trägt und warum die Zinsen zwischen den Banken so weit auseinanderliegen. Danach die Praxis: Konto eröffnen und im selben Zug den Freistellungsauftrag stellen, damit die Bank nicht unnötig Steuer einbehält.
Der Zeitaufwand ist klein: Die Kontoeröffnung dauert online eine halbe Stunde, der Freistellungsauftrag ein paar Klicks. Danach kostet die Route zweimal im Jahr 15 Minuten — den eigenen Zins gegen den Markt halten und bei Bedarf umziehen.
WO AM HÄUFIGSTEN GELD UND ZEIT VERLOREN GEHEN
- Den Freistellungsauftrag nicht stellen. Ohne ihn behält die Bank auf jeden Zinseuro 25 Prozent Abgeltungssteuer ein — auch auf die 1000 €, die über den Sparerpauschbetrag steuerfrei wären. Zurück kommt das Geld erst über die Steuererklärung, ein Jahr später.
- Den Aktionszins für den Dauerzustand halten. Die Spitzenwerte im Vergleich gelten meist 4–6 Monate für Neukunden, danach fällt der Zins auf den Bestandskundensatz. Entscheidend ist, was nach den Flitterwochen übrig bleibt.
- Mehr aufs Tagesgeld legen als nötig. Der Notgroschen ist keine Geldanlage — für Beträge, die sicher jahrelang liegen bleiben, ist die Festgeld-Leiter die ehrlichere Wahl.
- Über 100 000 € bei einer einzigen Bank parken. Die Einlagensicherung gilt pro Person und pro Bank; größere Summen gehören auf mehrere Institute verteilt.
HÄUFIGE FRAGEN ZUR ROUTE
Wie viel gehört überhaupt aufs Tagesgeld?▾
Drei bis sechs Monatsausgaben — nicht drei bis sechs Monatsgehälter. Rechnen Sie mit dem, was tatsächlich vom Konto geht: Miete, Versicherungen, Essen, Mobilität. Wer einen sicheren Job und keine Unterhaltspflichten hat, kommt mit drei aus; bei Selbstständigkeit oder befristetem Vertrag sind sechs realistischer.
Brauche ich dafür ein eigenes Konto, oder reicht das Girokonto?▾
Technisch reicht das Girokonto, praktisch nicht: Geld auf dem Ausgabenkonto wird ausgegeben. Das getrennte Tagesgeld hat genau diesen Zweck — eine kleine Hürde zwischen Ihnen und dem Puffer. Der Zins kommt obendrauf, ist aber nicht der eigentliche Grund.
Zählt das Guthaben als Vermögen, wenn ich staatliche Leistungen beantrage?▾
Ja. Bürgergeld und Wohngeld prüfen beide das Vermögen, wenn auch mit unterschiedlichen Freibeträgen. Bei der Verlängerung des Aufenthaltstitels wirkt ein Polster dagegen eher für Sie — es belegt gesicherten Lebensunterhalt. Die Zinsen selbst gehören ab dem ersten Euro über dem Sparerpauschbetrag in die Steuererklärung.
Lohnt sich der Aufwand bei den heutigen Zinsen?▾
Bei 10 000 € Puffer bedeutet ein Prozentpunkt Zinsunterschied rund 100 € im Jahr — für einmal Kontoeröffnung und 15 Minuten pro Halbjahr. Der eigentliche Gewinn ist aber nicht der Zins: Es geht darum, dass eine Autoreparatur oder eine Nebenkostennachzahlung nicht im Dispo landet, der zweistellig kostet.
Geht das ohne deutsche Bonität und ohne SCHUFA-Historie?▾
Ja. Tagesgeld ist ein Guthabenkonto und kein Kredit — geprüft wird die Identität, nicht die Bonität. Nötig sind in der Regel ein deutsches Referenzkonto, ein Ausweisdokument und die Steuer-Identifikationsnummer. Genau deshalb ist es oft das zweite Konto, das Neuankömmlinge problemlos bekommen.